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Ich, der Wahnsinn

Ich, der Wahnsinn

Gestatten Sie mir, dass ich mich Ihnen vorstelle! Sinn, Wahnsinn. Ich bin Gott der Sinne. Manche nennen mich auch Irrsinn, aber ich irre mich nie!

Man ruft mich im Guten wie im Schlechten an. Die Menschen verteufeln mich als Warnung: »Das ist doch Wahnsinn!«

Sie belobigen mich: »Du bist der Wahnsinn!«

Verzeihen Sie, dass ich lachen muss, doch Sie gehören mir mit Haut und Haar! Warum? Na, ich sehe mich in Ihren Augen. Und Sie reden mit mir! Ohne Liebe und Hass, doch aus purer Neugier hören Sie mir zu, weil Sie mich wahnsinnig spannend und faszinierend finden.

Sie machen es mir aber extrem leicht, Ihre Aufmerksamkeit zu erregen. Denn wer mir verfallen ist, entkommt mir nur schwer. Ich sage nicht, dass es nicht unmöglich wäre, oh nein! Ich mache es nur wahnsinnig kompliziert. Ihre Gedanken rasen unkontrolliert in meiner Geschwindigkeit umher. Kein anständiger Satz kann sich in Ihrem Hirn manifestieren. Sie sind buchstäblich meine fette Beute.

Ein durchschnittlicher Mensch wäre das nur zum Teil egal, doch Sie fragen sich nun, warum ich nicht adipös bin. In der heutigen Zeit bekomme ich so viele von Ihnen am Silbertablett serviert. Ja, das wissen Sie bereits, weil sie nicht dumm sind, und ich muss sagen, die Menschheit schmeckt mir wahnsinnig gut. Aber weil ich überall auf der Welt sein sollte, aus allen Ländern angerufen werde, sie zu packen, bleibe ich in Form. Ich bin ja schließlich der Wahnsinn! Schaue ich nicht extrem attraktiv aus?

Ich begründe sogar Trends in allen Facetten des menschlichen Seins: Von wahnsinnig schön bis wahnsinnig dumm, betreibe Kochshows und Abnehmprogramme gleichermaßen, bereichere mich bei den Reichen wie den Armen und treibe die Menschheit ans Äußerste.

Ich setze allen Sinnen, allen Emotionen, jedem Extrem die Krone auf. Denn ich bin die Eskalation und die Ekstase.

Wie ich sagte, Sie, kleine Mensch, Sie sind mir der Gottheit aller Sinne, dem Wahn verfallen.